kreatives schreiben – ein Bild, 3352 Worte.

Dezemberfreuden eines Rindes

Das erste Schneeflöckchen des Winters gleitet sanft zur Erde nieder, schwankt von links nach recht, schlägt Purzelbäume, tanzt mit dem nächsten Aufwind wieder ein Stück den Himmel empor um dann in hoher Geschwindigkeit wieder Kurs nach unten zu nehmen. Meine Schnauze ist zur Sonne gerichtet, welche ihre Strahlen heute hinter einer dicken Wolkenschicht hinunterschickt. Sie vermag die kühle Luft nicht aufzuheizen, dafür durchzieht ein frischer Geruch die Luft.
Ich schaue weiter dem Schneeflöckchen zu, wie es mir langsam entgegen segelt. Es kommt immer näher und wird zu einer Schneeflocke. Meine Augen blicken ihm nach, von links nach rechts, schnell nach unten, dann wieder ein Stück nach oben. Dahinter sehe ich schon weitere Flöckchen im Gleitflug sinken. Die Schneeflocke lässt sich Zeit, lässt ihre vielen kleinen Kristalle im gedämpften Licht in blau, violett, grün und gelb strahlen. Noch ein letztes Mal tanzt es jetzt in der Luft, noch einmal nach rechts, noch einmal nach links, bis es in der Mitte meiner Schnauze zu liegen kommt.

(zu Musik von Anour Brahem)

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Konfrontation I

[13:36, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: isch jo no härzig. 
[13:36, 12.12.2016] Sjanca Oppliger: jöööö
[13:37, 12.12.2016] Sjanca Oppliger: me hat grad lust sie z strichle
[13:43, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: isch sie zu dir cho?

vaikuntha

Das Stroh gibt leicht nach, wenn ich darauf Schritte mache. Es sind nur kleine Schritte, die ich mache, vorsichtige, bedächtig langsame – ich möchte sie bloss nicht erschrecken. Meinem Verlangen jedoch, ihr die Stirn zu kraulen, ihr weiches Fell und ihr warmer Körper zu spüren und mit meiner kalten Hand zu streicheln, kann ich nicht mehr lange standhalten. Meine Schritte, die ich auf sie zu mache, hat sie jetzt vernommen, das leise Rascheln des Strohs hat mich wohl verraten. Mit einer langsamen Kopfbewegung dreht sie sich schwerfällig zu mir hin und blickt mir in die Augen. Ein Moment der Stille macht sich breit, dehnt sich auf den ganzen Raum aus, gefühlt auf das ganze Dorf.
Bitterkalt umhüllt uns an diesem bewölkten Januarmorgen die Luft an Gesicht und Händen. Ob die Kuhdame auch friert, vielleicht an ihrer leicht feuchten Schnauze? Keiner von uns bewegt sich, ich atme ruhig und lasse meinen Blick in ihren dunklen Augen versinken. Sie hingegen atmet jetzt schnaubend aus, sodass vor ihr ein durchsichtiges Wölkchen entsteht, das sich sodann in nichts auflöst. 

Ich frage mich, was sie wohl denkt, während sie mich mit meinen eigenen Gedanken konfrontiert. Ihr intensiver Blick nehme ich nicht als fixierend wahr, sondern ruhig, überlegt, vielleicht auch überlegen. «Wir haben alle Zeit der Welt,» scheint sie auszudrücken, «um zu klären, was du fühlst.»

Würde mich ihre mächtige Ausstrahlung nicht so einnehmen, käme mir die Situation wie die Wettbewerbe in meiner Kindheit vor – wer zuerst lacht oder wegschaut, verliert. Sie gibt mir sowieso keine Chance, wegzuschauen.

Ein weiteres Wölkchen löst sich zwischen uns in der Luft auf und ich meine, ein warmer Hauch auf meinem kalten Gesicht zu verspüren. So nah scheint sie vor mir zu stehen, fast greifbar, trotzdem werde ich sie nie begreifen können. Nie werde ich erfahren, was sie wirklich denkt, während sie mir gelassen entgegenblickt. Ich werde nicht einmal wissen, ob dieser traurige Blick in irgendeiner Weise Ausdruck ihrer Gefühle ist. Nichts gibt ihr kühnes Auftreten preis. Nichts, was mir helfen würde, ihre Welt zu verstehen. Sie hält mir lediglich einen Spiegel vor, in dem ich mich selbst sehen kann. Und bietet mir geduldig ihre ganze Lebenszeit, um verstehen zu können.

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Konfrontation II

Wir meinen deuten zu können, was andere fühlen, was sie denken, was sie von uns halten, was sie als nächstes machen, wie intelligent, wie lustig, wie aufrichtig sie sind. Dabei kennen wir diese Eigenschaften bei uns selber nicht einmal. Und trotzdem meinen wir, uns von allen am besten zu kennen. Was für eine riesige Diskrepanz diesbezüglich doch herrscht. Was, wenn es eine Methode gäbe, um sich selbst richtig und vollständig in unserer Gesellschaft einordnen zu können? Was, wenn uns Tiere einen Spiegel vorhalten könnten, um zu versuchen, uns die eigene Persönlichkeit aufzuzeigen? Hier, schau mich an. Ich mach nicht viel, grase, laufe hierhin, dorthin, liege unter den Baum und käue wieder. Du kannst in mir aber wohl das sehen, was dir sonst verborgen bleibt. Sieh mich an und du erkennst deine eigenen Schwächen, Gefühle, Ängste,… alles, nach dem wir streben sie nachzuvollziehen oder sie überhaupt erst kennenzulernen.

Auf den ersten Blick strahlt sie einen Stolz aus, eine Würde, die auf keine Weise zu kränken ist, die das böseste Geschöpf nicht im Traum zu kränken versuchen wagte. Bis man in ihre Augen blickt. Bis man meint, einen engen, unendlich langen Gang aus Schmerzen zu erkennen, in dem links und rechts an den dunklen Wänden Bilder hängen, die vor Leid triefen.

Doch freundlich fängt sie alles auf, was das Gegenüber an Gedanken in Existenz ruft. Und wirft mir im Gegenzug einen verständnisvollen Blick zurück. Als wollte sie mir sagen, dass wir das Deuten von Gefühlen und Gedanken anderer doch gar nicht mehr versuchen sollten.

(überarbeitete écriture automatique)

Dazu passend: Begreifen, was es heisst, zu sein

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Dezembertrance

Na, magst du tanzen?

Über Nacht ist der erste Schnee gefallen. Ich stehe bis zu den Knöcheln in der gleichmässigen, weissen Decke, hebe meinen Fuss und lasse ihn an einer anderen Stelle wieder senken. Es knistert so wundervoll, wenn ich bei jedem Schritt den Schnee auf einen Zentimeter minimiere. Links links, rechts rechts. Na, kommt ihr auch? Rechts rechts, tap tap. Wie von alleine geht es. In Trance bewege ich mich im Kreis, immer nach rechts, Kopf voraus. Als ich die Augen kurz schliesse, überkommt mich ein Schwindelgefühl, also öffne ich sie wieder. Und da steht sie vor mir. Abrupt lasse ich meinen plötzlich so schweren Körper zu einem Halt kommen. «Na, magst du tanzen? Aufgewärmt bist du ja bereits…» Ihre langen Wimpern liessen meinen Mund offenstehen, jedenfalls bis mir bewusst wurde, dass die Situation eine Antwort oder zumindest eine Reaktion erforderte. «Oh… ja klar!» Wer war die hübsche Dame? Woher kommt sie, wieso habe ich sie hier noch nie gesehen?

Wir drehen uns zusammen, drehen uns, bis wir uns selbst nicht mehr spüren. Bis wir vergessen haben, wo wir hier sind, ja wer wir überhaupt sind. Und der pulvrige Schnee staubt an unseren Seiten hoch, lässt uns hinter einem Vorhang verschwinden und nebelt uns so in unsere eigene kleine Welt ein.

(zu Musik von Bueno Vista Social Club)

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es modert

Das Stroh raschelt unter seinen Füssen, er stämpfelt abwechslungsweise leicht mit der linken Hufe, dann mit der rechten. Er dreht seinen Kopf von der einen zur anderen Seite und wieder zurück, schaut zur Tür hinaus, dann wieder zu mir. Bedächtig, aber stetig.

Nun senkt er seinen Kopf, die Hörner müssen schwer auf dem Kopf sitzen. Die Ohren flattern leicht, wie wenn er eine Fliege loswerden möchte. Die kargen Betonwände strahlen eine Kühle aus, nicht nur temperaturtechnisch. Es ist ganz still, nur in der hinteren Ecke meine ich das Geräusch einer Fliege zu vernehmen, welches jetzt auch abrupt verstummt.

Die Hörner schauen in meine Richtung, die Augen fixieren mich, die Beine stehen nun still auf dem Boden. Der Blick drückt eine Anfrage aus aber ich kann ihn nicht lesen – wie eine Muschel, die in einer Meereswelle am Strand gefangen ist und so jedesmal ein Stück näher kommt, jedesmal aber auch wieder zurückgespult wird und es so nie an die Küste schafft.

Auf einmal durchschneidet ein schriller Laut die Stille im Betonraum. Ein langgezogenes, nervöses Muhen in einer unsicheren, hohen Tonhöhe.

Die leeren Wände spielen den einmaligen Laut noch einige Male hin und her. Doch auch als er längst nicht mehr klingt, hallt er in meinem Kopf noch nach. Durchdringt immer wieder meine innere Stille, meine Ruhe, lässt mir so keine Ruhe und gibt mir meine Stille nicht mehr zurück.

Er blinzelt. Die Oktoberluft riecht frisch, nicht unweit von hier muss geschnittenes Gras liegen. Ein sonniger Tag, der zum Mähen einlädt, nur ist davon nichts zu hören. Hier drin riecht es zusätzlich leicht moderig, und die Gerüche konkurrenzieren sich.

Er dreht seinen Kopf wieder zur Tür, er muss was gehört haben.

Tatsächlich senkt sich die Türfalle mit einem dumpfen Aufschlag, als wäre die Energie überschätzt worden, die es zum Herunterdrücken braucht. Schliesslich öffnet sich die Tür mit einem Ächzen, das fast so klingt, als kämpfe die Türe dagegen an. Sie gibt diesen jammernden Laut von sich, als möchte sie sich nicht kampflos ergeben. Sie verliert. Ein leichter kühler Zug weht hinein, ich spüre ihn an meinen nackten Armen, wo sich sogleich die Haare aufstellen.

Sein Blick ist stets zur Tür gerichtet, als er mit den Hufen wieder zu stämpfeln beginnt und langsam ein, zwei Schritte rückwärts geht. Er hebt seine Schnauze ein wenig in die Luft und dreht seinen Kopf zu mir, sodass er mir ein letztes Mal einen seiner Blicke zuwerfen kann.

vaikuntha

Studie eines Ortes – eines Käseladens.

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Zersplitterung

Das Geräusch von mehreren Tastaturen klingt durch den Raum, Menschen reden miteinander, irgendwo läutet ein Telefon.

Ich sitze da und schaue in meinen Computerbildschirm. Es gefällt mir im neuen Grossraumbüro – die Anonymität, aber auch der gelegentliche Schwatz im Gang und die motivierende Art wie die Mitarbeiter tagsüber zusammen in diesem Raum sitzen und arbeiten. «Morgen!» ruft Sebastian beim Vorbeihasten. «du siehst ja schon ganz vertieft aus», witzelt er ironisch. «Und du ganz entspannt…» Er stockt ein wenig, wahrscheinlich überlegt er sich, ob er noch kurz plaudern möchte, entscheidet sich dann aber zum Gehen und setzt seinen schnellen Gang in Richtung seines Bürotisches fort. 

Die letzten ersten Bartstoppeln spriessen ihm auf der Backe, bald ist seine Gesichtsbehaarung komplett und alles bedeckt. Er hat sich schon länger nicht mehr rasiert. Am liebsten hat er es, wenn es am Morgen schnell geht. Auch wenn dies kein sanfter Einstieg in den Tag ist. Aufstehen, an den Kleidern über der Stuhllehne riechen, den umgekippten Stapel im Schrank durchwühlen und keine Zeit verlieren beim Anziehen. Bücher in die Tasche packen, kurzer Besuch im Badezimmer. In die Schuhe schlüpfen, die er zuletzt schnürte, als er sie neu gekauft hatte. Zügig aus der Türe raus, anfangs zwei Stufen auf einmal nehmend. Nochmals zurück, weil er den Bon vergessen hat. Heute Nachmittag muss er noch bei der Brauerei vorbei, um ein paar Sixpacks für den Fussballabend abzuholen. Er steckt seine Hände in die Jackentasche und hält Ausschau nach dem Bus, der auch schon hinter der Hauswand am Ende der Strasse erscheint. Er geht zügig, aber nicht rennend zur Busstation, genau berechnend, wie schnell er gehen kann, sodass er an der Haltestelle nicht warten muss.

Seine Kollegen lädt er neuerdings häufig ein. Die Wohnung scheint ihm so gross, seit seine Freundin ihre Sachen gepackt hat. In der Küche, in der sie während dem Kochen häufig gestritten, aber auch tiefgründige Gespräche hatten, hält er es am besten aus. Nicht, weil sie eher klein ist, sondern weil er dann beschäftigt ist und sich ablenken kann. Aber im Wohnzimmer, oder – am schlimmsten – im Schlafzimmer, ist der alleinige Aufenthalt für ihn fast unerträglich geworden. So viel Raum, wie er ihn gar nicht gebrauchen kann. Seine Präsenz füllt ihn nicht aus, der Raum nimmt mehr Raum ein als er. Er wohnt nicht mehr darin, eher wohnt der leere Raum in ihm.

Seine Kollegen bringen Lautstärke mit. Sie bringen das Lachen zurück, die Frage, wie es einem geht, das gemeinsame Essen und allen voran ein wohliges Gefühl. Das Gefühl, geschätzt zu werden.

Der Bus hält vor ihm, drei Leute möchten aussteigen, er steht daneben und wartet. Bis er von hinten leicht angerempelt wird, weil eine Person um ihn herumgeht, um einsteigen zu können. Er hat gar nicht gemerkt, dass die Personen schon raus sind und die Tür schon fast wieder zu gehen wollte.

Sie bindet sich gerade ihr langes, gerades Haar zu einem hohen Rossschwanz. Es glänzt beim Umherwirbeln in der Morgensonne, genau wie ihre langen, sorgfältig lackierten Nägeln. Sie nimmt sich Zeit, fährt sich solange durchs Haar, bis nirgends mehr eine Schlaufe hervorsteht. Vor ihr dampft es leicht aus der Teetasse. Auf dem Balkon startet sie am liebsten in den Tag. Manchmal mit der Zeitung, seit ein paar Jahren mit dem Handy.

In Gedanken geht sie die bevorstehenden Stunden durch, die wichtigen Termine und was sie alles zu erledigen hat. Heute Abend hat sie endlich wieder einmal Zeit nur für sich, vielleicht könnte sie sich ein Bad einlassen?

Sie entscheidet sich, langsam hineinzugehen, es ist doch noch ziemlich kalt draussen. In ihren flauschigen Socken bewegt sie sich lautlos durch die Wohnung. Sie stellt die Tasse in das Becken, wo sich schon das Geschirr von einigen Tagen stapelt.

Beim Einkaufen nimmt sie am liebsten die Self Checkout-Kassen. Hauptsächlich, weil ihr das Tippen Spass macht, dann fühlt sie sich so geschickt. Aber auch das Einpacken ist da viel entspannter. Die Konfrontation mit den Verkäuferinnen macht ihr nichts aus, im Gegenteil, meist sind es ja ganz freundliche Menschen. Und wenn sie nicht lächeln, dann probiert sie diese eben anzustecken. Sie lächelt extrabreit und bedankt sich überschwänglich. Nur deren schnelles Arbeiten bereitet ihr bei grösseren Einkäufen Mühe, dieses hastige Einpacken und Empfangen von ungeduldigen Blicken in der Schlange gehört zu den wenigen Momenten in ihrem derzeitigen Leben, in denen sie sich gestresst fühlt.

Alles hat seine Ordnung in ihrer Tasche. Und das schwerste kommt zu unterst, auch wenn das bedeutet, die Tasche ausräumen zu müssen. Alles sollte griffbereit sein, jedes einzelne Abteil in der Tasche ist spezifischen Inhalten zugeordnet. Wie in ihrem Badezimmermöbel. In der untersten Schublade sind die Haarsachen, in der mittleren alle Dusch- und Badesachen, und das oberste ist den Körperpflege verschrieben.

Sie fährt sich mit der Hand über den Kopf bis hinten, um ihren Rossschwanz zu kontrollieren. Er sitzt noch. Sie schultert ihre Tasche, verabschiedet sich ein zweites Mal und läuft ruhigen Schrittes aus dem Laden.

Sebastian ist ein echter Hingucker. Und immer guter Laune, jedenfalls habe ich ihn selten ohne den ein oder anderen schnippischen Spruch erlebt. Ich kenne ihn seit ein paar Monaten, aber so richtig erst, seit er Teil unseres Projektteams ist. Wir arbeiten zu viert an einem Fall, und Sebastian bearbeitet gerade die Akten, um die wichtigsten Erkenntnisse für mich aufzubereiten.

Ich stehe heute vor einer aufwendigen Aufgabe, so geht der Vormittag schnell vorbei. Ich merkte nicht einmal, dass ich langsam dringend auf die Toilette muss. Die Uhr zeigt 11.42 Uhr, und ich probiere zu spüren, ob ich es noch bis zur Mittagspause aushalte. Doch jetzt muss ich erst recht. Der Weg zur Toilette führt an Sebastians Arbeitsplatz vorbei. Ich werfe beim Vorbeigehen einen Blick auf seinen Tisch, auf dem verschiedene Dokumente wild verteilt sind. Gerade drückt er mit der flachen Hand ziellos auf die Blätter, bis er schliesslich den Kugelschreiber findet, als ich gerade an ihm vorbei bin. Wie kann er nur so unorganisiert arbeiten.

(Rhythmen zweier fiktionaler Biografien + deren Aufeinandertreffen)

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Ich erinnere mich.

Ich erinnere mich an Inception, den ich im Kino gesehen habe und dabei eingeschlafen bin.

Ich erinnere mich an Inception, den ich nochmals gesehen habe und wieder eingeschlafen bin.

Ich erinnere mich mich nicht daran, wo ich ihn das zweite Mal gesehen habe.

Ich erinnere mich auch nicht daran, wo ich ihn zum dritten Mal gesehen habe, und ob ich da wieder eingeschlafen bin.

Ich erinnere mich auf jeden Fall daran, dass es das einzige Mal war, das ich je im Kino eingeschlafen bin.

Ich erinnere mich an den letzten Film, den ich im Kino gesehen habe – Girl on the train.

Ich erinnere mich an den ersten Film, den ich im Kino gesehen habe – Cats and Dogs.

Ich erinnere mich nicht an die Handlung.

Ich erinnere mich an die Zeichentrickserie. Ein Hund und eine Katze sind verbunden am Leib.

Ich erinnere mich an Hey Arnold, an Pink Panther, an Tom & Jerry und die Teletubbies, die ich aber nie schaute.

Ich erinnere mich jetzt auch an die Gummibärenbande, weil ich die ebenfalls nie schaute. Aber die Turtles. Nein, Ninja Turtles.

Ich erinnere mich nicht daran, ein Fernsehkind gewesen zu sein. Aber es klingt ein wenig danach.

Ich erinnere mich an Kinobesuche mit meiner Mutter, später mit Freunden, dann mit dem Freund.

Ich erinnere mich an das fliegende Klassenzimmer, Mein Name ist Eugen, Harry Potter-Filme,…

Ich erinnere mich an Prisoners.

Ich erinnere mich an das Zurich Film Festival, an Starless Dreams und Cameraperson.

Ich erinnere mich an Memento, den wir letztens streamten. Verwirrend, genial, intelligent. Wie Inception.

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letzter Versuch.

vaikuntha

Langsam gehe ich in meinen übergrossen Stiefeln auf dich zu, mit kleinen Schritten, so leise es im raschelnden Stroh nur geht.

Wie du mich mit diesem Blick anschaust. So liebevoll und doch steht etwas zwischen uns.

Der Lichteinfall in deinem dunklen Auge gibt mir das Gefühl, dass du mich direkt ansiehst. Ist das eine Aufforderung? Bedeutet dein Ausdruck, dass du glücklich bist? Ahnungslos? Traurig? Oder einfach nur… fordernd? 

Deine Hörner sind auf mich gerichtet. 

Teufelshörner? Wieso haben Teufel Hörner? Wie ist jemand auf die Idee gekommen, einen Teufel mit einem Rind zu vergleichen?

Die dünnen, samtigen Haare an deinen Ohren – dein weicher Hals, in den ich meine Finger graben kann – deine glatten Hörner, die du in meine Richtung hältst – absichtlich?

Ich mache keinen weiteren Schritt auf dich zu. Was willst du mir mit deinem Blick bedeuten?

Ist deine Augenbraue hochgezogen? Ist dein Kopf schwer? Spürst du, wenn ich über dein Horn fahre, nur ganz sanft, ich berühre es fast nicht, ich spüre aber die Kälte, die davon ausgeht, und die im Kontrast zu deinem warmen Körper steht.

Würdest du mir sagen, wenn du mich hier nicht duldest? Schliesslich ist das dein Reich, du bist hier zuhause, kennst die genaue Abmessung des Raumes, den Lichteinfall zu den Tageszeiten, wie sich das Stroh anfühlt und welcher Hall die Wände wiedergeben.

Was mache ich hier eigentlich. Natürlich richtest du deine Hörner auf mich. Natürlich schaust du mich vorwurfsvoll an.
Was habe ich mir nur angemutet. 

Ich gehe an dir vorbei, dein Kopf dreht sich mit.

Als ich in der Türe stehe, drehe ich mich um, sodass ich dir ein letztes Mal in die Augen schauen kann. Ich will es versuchen – ich will es wissen.
Ich finde deine Augen auf Anhieb, du schaust mich bereits an.

Mit demselben Blick wie immer.

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whatsapp nutzen

[13:45, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: die pünktli übere de schnauze
[13:45, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: erinneret mi an pipi langstrumpf
[13:46, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: hörn=zöpf
[13:46, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: und die kecke augebraue

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Einordnen wie im Japanischen.

Die drei Kategorien:

    – Hell und Dunkel
    – Sichtbares und Unsichtbares
    – Schönes und Hässliches

vaikuntha
[13:37, 12.12.2016] Michael Fund: sie luegt truurig… 

[13:37, 12.12.2016] Michael Fund: wie mis eintä grosi
[13:42, 12.12.2016] Alex Pfammatter: irgendwie müed.
[13:43, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: irgendwie süss.
[13:43, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: vertraut
[13:43, 12.12.2016] Michael Fund: Neugier
[13:43, 12.12.2016] Özlem Petri: ruhe
[13:43, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: du bisch mied
[13:43, 12.12.2016] Michael Fund: misstrauisch
[13:43, 12.12.2016] Özlem Petri: zfriedeheit
[13:43, 12.12.2016] Sjanca Oppliger: so chli neugirig aber au so chli flirty haha 

[13:38, 12.12.2016] Özlem Petri: modelblick 
[13:38, 12.12.2016] Alex Pfammatter: si gseed us als wür si posiere fürs foto 
[13:38, 12.12.2016] Özlem Petri: sie weisses zfescht
[13:39, 12.12.2016] Sjanca Oppliger: sie wirkt so ruhig. als ob du garnit do gsi wärsch zum fotografiere. so die ruhe selbst

Viel Verborgenes – geheimnisvoll – ich wittere Unvernunft.
Viel Dunkles – kombiniert mit Hellem – zwielichtig.
Einige helle Stellen – durchleuchtet – ein Lichtblick gar?

[13:41, 12.12.2016] Michael Fund: finde d landschaft wosech ide auge spieglet no idrücklech… 

Deine Schnauze zeigt leicht in die Luft,
deine Hornspitzen zeigen an die Decke.
Als frühlingshaft beschreibe ich den Duft,
Helle Sonnenstrahlen wärmen um die Ecke.
Deine Augen schauen mich direkt an.
Wir stehen uns ganz still gegenüber,
nicht einmal der Wind erzeugt einen Klang.
Streichelnd in Frieden wäre mir jetzt lieber.

[13:41, 12.12.2016] Alex Pfammatter: wie heisst es? 
[13:42, 12.12.2016] Özlem Petri: heds gfühl? 
[13:42, 12.12.2016] Lukas Stadelmann: “es“

Die Abgründe sind zu vermeiden, sind zu meiden, sind zu den – sind zu den Hässlichen Dingen zu zählen.

Das Helle, das Weiche, das Wunderschöne, das ich suche – aber mehr mit dem Englischen «to seek» – das zeigt sich mir in Texturen, die trügen, in Blicken, die das Wahre verdecken, in Lichtpunkten, die eine kleine Dunkelheit verbergen und so die grosse erst richtig aufdecken.

 

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